Gabriele Kunze (1949–2025) war eine deutsche Journalistin, Kolumnistin und Buchautorin, die Mallorca über Jahrzehnte zu ihrem Lebens- und Arbeitsthema machte. Seit 1980 lebte sie auf der Baleareninsel. Als langjährige Kulturredakteurin des Mallorca Magazins schrieb sie über Kunst, Geschichte, Küche, Brauchtum und die Menschen hinter den touristischen Kulissen. Ihre Bücher vermittelten deutschsprachigen Lesern eine Insel, die weit mehr zu bieten hat als Strände und Ferienanlagen. Für ihren Beitrag zur deutsch-mallorquinischen Verständigung wurde Kunze 2004 als „Europäerin des Jahres“ auf Mallorca ausgezeichnet.
Gabriele Kunze im Überblick
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Vollständiger Name | Gabriele Kunze |
| Geboren | 30. Januar 1949 in Frankfurt am Main |
| Gestorben | 20. Juli 2025 in Palma de Mallorca |
| Alter | 76 Jahre |
| Berufe | Journalistin, Kulturredakteurin, Kolumnistin, Buchautorin |
| Wohnort auf Mallorca | Umgebung von Puigpunyent |
| Bekannt für | Berichte und Bücher über Mallorcas Kultur, Geschichte, Küche und Traditionen |
| Redaktion | Mallorca Magazin |
| Auszeichnung | „Europäerin des Jahres“ auf Mallorca, 2004 |
Von Frankfurt nach Mallorca
Kunze wurde in Frankfurt am Main geboren und studierte dort einige Semester Anglistik und Romanistik. Schon früh interessierte sie sich für Sprachen, Reisen und andere Kulturen. Im Alter von 25 Jahren eröffnete sie in Ratingen ein eigenes Reisebüro.
1974 heiratete sie Giovanni Kunze, der damals im Bereich Öffentlichkeitsarbeit für den Reisekonzern TUI tätig war. Nach Stationen in Nürnberg und Hannover zog das Paar 1980 nach Mallorca. Die Insel wurde nicht nur Kunzes Wohnort, sondern auch das zentrale Thema ihrer journalistischen Arbeit.
Zunächst arbeitete sie als TUI-Reiseleiterin. Parallel verfasste sie Texte für touristische Magazine und Reiseführer. Zeitweise leitete sie zudem den deutschsprachigen Sender „Radio Alemán“. Diese Tätigkeiten verschafften ihr einen Blick auf Mallorca, der touristische Praxis, lokale Geschichte und gesellschaftliche Entwicklungen miteinander verband.
28 Jahre beim Mallorca Magazin
Mitte der 1980er-Jahre begann Kunzes prägende Verbindung mit dem Mallorca Magazin. Der damalige Chefredakteur Wolfram Seifert bot ihr 1986 eine Mitarbeit an; ab 1987 wurde sie als Redakteurin geführt. Bis zu ihrem Ruhestand 2014 arbeitete sie 28 Jahre lang fest für die deutschsprachige Wochenzeitung.
Ihre Schwerpunkte waren Kunst und Kultur, doch ihr Themenfeld reichte wesentlich weiter. Sie schrieb über Gastronomie, Gärten, Kirchen, Klöster, Kräuter, Geschichte und mallorquinisches Brauchtum. In ihren Porträts und Interviews begegneten den Lesern internationale Persönlichkeiten wie Peter Ustinov, Ephraim Kishon, Rita Süssmuth, Patti Smith, Daniel Libeskind, Martin Parr und Christian Boltanski.
Kunze arbeitete zunächst von ihrem Haus in Puigpunyent aus. Ihre Texte schrieb sie auf einer mechanischen Schreibmaschine und brachte sie zur Redaktion nach Palma, wo sie für den Druck erneut abgetippt und gesetzt wurden. In einem persönlichen Rückblick schilderte sie diesen redaktionellen Alltag ohne Nostalgiekitsch, aber mit viel Zuneigung.
„Ich habe mit großem Vergnügen für das ‚Provinzblatt‘ gearbeitet, 28 Jahre lang.“
— Gabriele Kunze im Mallorca Magazin, 2021
Ihr journalistisches Kürzel lautete „G.K.“. Innerhalb der Redaktion genoss sie das ungewöhnliche Privileg, es in Großbuchstaben zu verwenden. Das knappe Kürzel passte zu einem Stil, der genaue Beobachtung mit umfassender Inselkenntnis verband.
Bücher über Geschichte, Märchen und mallorquinische Kultur
Gabriele Kunze beschränkte sich nicht auf Zeitungsartikel. Sie schrieb Reiseführer, Kochbücher, kulturgeschichtliche Texte und Märchensammlungen. Im Mittelpunkt stand stets die Frage, wie sich Mallorcas Geschichte und Lebensweise für deutschsprachige Leser anschaulich vermitteln lassen.
Zu ihren dokumentierten Werken gehören:
Das große Mallorca-Buch
Der 2002 erschienene Bildband verband Kunzes Texte mit Fotografien von Norbert Kustos. Auf 280 Seiten und in 22 Kapiteln behandelte das Buch unter anderem die Geschichte der Insel, ihre Künstler, Klöster und Gärten. Es war als umfangreiches Porträt Mallorcas konzipiert, nicht als klassischer Reiseführer mit einer bloßen Liste von Sehenswürdigkeiten.
Mallorca: Geschichten & Märchen
2013 veröffentlichte Kunze gemeinsam mit dem Illustrator Rudy Schwizgebel die 167 Seiten umfassende Sammlung Mallorca: Geschichten & Märchen. Das Buch enthält 20 Erzählungen. Neben eigenen Geschichten nahm Kunze überlieferte mallorquinische Märchen auf und erzählte sie in neuer Form.
Einige dieser Stoffe gehen auf die „Rondalles“ zurück, die zuvor unter anderem von Erzherzog Ludwig Salvator und dem mallorquinischen Geistlichen und Volkskundler Antoni Maria Alcover gesammelt worden waren. Der Katalogeintrag der Deutschen Digitalen Bibliothek führt das Werk als deutschsprachige Anthologie mit der ISBN 978-3-9811929-1-9.
Eine Vermittlerin zwischen zwei Kulturen
Kunzes Bedeutung lag in ihrer Fähigkeit, Mallorca nicht als austauschbare Urlaubskulisse zu behandeln. Sie schrieb über die gewachsene Kultur der Insel und machte lokale Künstler, Traditionen und historische Zusammenhänge für ein deutschsprachiges Publikum zugänglich.
2004 wurde sie von der Bürgervereinigung Ciudadanos Europeos als „Europäerin des Jahres“ auf Mallorca geehrt. Der damalige balearische Ministerpräsident Jaume Matas überreichte die Auszeichnung. Ein zeitgenössischer Bericht des Majorca Daily Bulletin bestätigt die Preisvergabe.
Auch privat unterstützte Kunze Kunstschaffende. Bei Sommerfesten auf ihrer Finca konnten lokale Künstler ihre Arbeiten präsentieren. Damit verband sie journalistische Kulturvermittlung mit konkreter Förderung.
Wichtige Stationen ihres Lebens
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1949 | Geburt am 30. Januar in Frankfurt am Main |
| 1974 | Eröffnung eines Reisebüros in Ratingen und Heirat mit Giovanni Kunze |
| 1980 | Umzug nach Mallorca |
| 1986/87 | Beginn der redaktionellen Arbeit beim Mallorca Magazin |
| 2002 | Veröffentlichung von Das große Mallorca-Buch |
| 2004 | Auszeichnung als „Europäerin des Jahres“ auf Mallorca |
| 2013 | Veröffentlichung von Mallorca: Geschichten & Märchen |
| 2014 | Eintritt in den Ruhestand |
| 2021 | Veröffentlichung ihres persönlichen Rückblicks auf 28 Redaktionsjahre |
| 2025 | Tod am 20. Juli in Palma de Mallorca |
Ruhestand ohne vollständigen Rückzug
Obwohl Kunze 2014 offiziell in den Ruhestand ging, blieb sie dem Mallorca Magazin als Kolumnistin verbunden. Sie schrieb weiterhin regelmäßig für die Printausgabe und kommentierte kulturelle, gesellschaftliche und politische Themen.
Ihre Arbeitsdisziplin blieb bis zuletzt erhalten. Wenige Tage vor ihrem Unfall hatte sie der Redaktion noch zwölf Kolumnen übermittelt. Am 10. Juli 2025 stürzte sie in ihrem Haus in den Bergen bei Puigpunyent und erlitt einen schweren Hüftbruch. Zehn Tage später starb sie im Universitätsklinikum Son Espases in Palma. Der ausführliche Nachruf des Mallorca Magazins bezeichnete sie als eine Institution der Insel.
Ist sie die Ehefrau von Heinz Rudolf Kunze?
Nein. Die hier porträtierte Journalistin Gabriele Kunze war mit Giovanni Kunze verheiratet und lebte seit 1980 auf Mallorca. Sie ist nicht identisch mit der gleichnamigen Ehefrau des Musikers Heinz Rudolf Kunze. Der Sänger ist seit 2009 mit einer anderen Gabriele Kunze verheiratet, wie unter anderem t-online bestätigt.
Häufige Fragen zu Gabriele Kunze
Wer war Gabriele Kunze?
Gabriele Kunze war eine deutsche Journalistin, Kulturredakteurin, Kolumnistin und Buchautorin. Bekannt wurde sie vor allem durch ihre jahrzehntelange Arbeit für das Mallorca Magazin und ihre Bücher über die Baleareninsel.
Wann lebte Gabriele Kunze?
Sie wurde am 30. Januar 1949 in Frankfurt am Main geboren und starb am 20. Juli 2025 im Alter von 76 Jahren in Palma de Mallorca.
Seit wann lebte sie auf Mallorca?
Kunze zog 1980 gemeinsam mit ihrem Ehemann Giovanni nach Mallorca. Sie wohnte später in den Bergen bei Puigpunyent.
Welche Bücher schrieb Gabriele Kunze?
Zu ihren dokumentierten Publikationen gehören Das große Mallorca-Buch sowie Mallorca: Geschichten & Märchen. Daneben verfasste sie Reiseführer und Bücher über mallorquinische Küche und Traditionen.
Warum wurde sie als „Europäerin des Jahres“ ausgezeichnet?
Die Auszeichnung würdigte 2004 ihren Beitrag zur deutsch-mallorquinischen Verständigung. Kunze vermittelte über ihre Artikel und Bücher Wissen über die Geschichte, Kunst und Lebensweise der Insel.
Woran starb Gabriele Kunze?
Sie starb am 20. Juli 2025, nachdem sie zehn Tage zuvor in ihrem Haus gestürzt war und einen schweren Hüftbruch erlitten hatte.
Fazit
Gabriele Kunze gehörte zu den prägenden deutschsprachigen Chronistinnen Mallorcas. Ihre Artikel, Kolumnen und Bücher erschlossen eine Insel jenseits der üblichen Urlaubsmotive. Dabei verband sie journalistische Genauigkeit mit jahrzehntelanger Ortskenntnis. Ihr Werk bleibt ein Stück deutsch-mallorquinischer Kulturgeschichte.
Quellen
Mallorca Magazin – „Abschied von einer Mallorca-Institution: MM-Kolumnistin Gabriele Kunze nach Unfall verstorben“, 21. Juli 2025
https://www.mallorcamagazin.com/nachrichten/kultur/2025/07/21/139879/abschied-von-einer-mallorca-institution-kolumnistin-gabriele-kunze-nach-unfall-verstorben.html
Mallorca Magazin – „Der schönste Tag war Dienstag“, 4. November 2021
https://www.mallorcamagazin.com/50-jahre/forum/2021/11/04/95327/der-schonste-tag-war-dienstag.html
Mallorca Magazin – „Neuer Bildband über Mallorca“, 11. Oktober 2002
https://www.mallorcamagazin.com/nachrichten/lokales/2002/10/11/2490/neuer-bildband-uber-mallorca.html
Deutsche Digitale Bibliothek – „Mallorca: Geschichten & Märchen“, aktualisiert am 11. Juni 2025
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/XTEBP3C3NH4CJR3GL4D67LTSF6LUTYWD
Majorca Daily Bulletin – „Day for Europe“, 11. Mai 2004
https://www.majorcadailybulletin.com/news/local/2004/05/11/9430/day-for-europe.html
t-online – „Heinz Rudolf Kunze hilft nicht im Haushalt: ‚Bin zu nichts zu gebrauchen‘“, aktualisiert am 7. November 2025
https://www.t-online.de/unterhaltung/musik/id_100990024/heinz-rudolf-kunze-hilft-nicht-im-haushalt-bin-zu-nichts-zu-gebrauchen-.html
