Julius Steffens: Leben, Karriere und Werke

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Julius Steffens, mit vollständigem Namen Carl Julius Steffens, war ein deutscher Cellist und Komponist des 19. Jahrhunderts. Er wurde 1831 im pommerschen Stargard geboren, erhielt seine musikalische Ausbildung in Berlin und Sankt Petersburg und gehörte zeitweise der kaiserlichen Hofkapelle in Russland an. Zwischen 1861 und 1868 trat er in zahlreichen europäischen Musikzentren auf. Dabei arbeitete er mit bekannten Künstlern wie dem Geiger Henri Vieuxtemps, dem Pianisten Alfred Jaëll und der Sängerin Carlotta Patti zusammen. Seine Karriere endete jedoch früh, nachdem eine Erkrankung ihn zur Aufgabe des Cellospiels zwang.

Julius Steffens im Überblick

MerkmalAngaben
Vollständiger NameCarl Julius Steffens
Weitere NamensformenJulius Steffens, Jules Steffens, Carl Julius Stefens
Geburtsdatum12. Juli 1831
GeburtsortStargard, Pommern
Sterbedatum4. März 1882
SterbeortWiesbaden
BerufCellist und Komponist
Musikalische EpocheRomantik
HauptinstrumentVioloncello
LehrerMoritz Ganz und Carl Schuberth
Bekannte WerkeZweites Cellokonzert op. 9, Romanze, Drei Charakterstücke op. 10

Die wichtigsten biografischen Daten stammen aus dem musikhistorischen Nachschlagewerk Musik und Musiker am Mittelrhein, das unter anderem Personenstandsregister, historische Adressbücher, Konzertanzeigen und zeitgenössische Musikzeitschriften auswertet.

Herkunft aus einer Musikerfamilie

Carl Julius Steffens kam am 12. Juli 1831 in Stargard in Pommern zur Welt. Die Stadt heißt heute Stargard und liegt in Polen. Er war der jüngste von drei Söhnen des königlichen Musikdirektors Friedrich Steffens und dessen Ehefrau Sophie, geborene Schulz.

Musik gehörte damit schon früh zum familiären Alltag. Auch seine beiden Brüder schlugen musikalische Laufbahnen ein. Sein Vater war zuletzt als Direktor am Militär-Waisenhaus in Potsdam tätig. Julius Steffens wuchs somit nicht nur mit Musik auf, sondern lernte auch das berufliche Umfeld eines ausgebildeten Musikers kennen.

Über seine Schulzeit und seine ersten Auftritte sind keine zuverlässigen Einzelheiten überliefert. Seine späteren Lehrer zeigen jedoch, dass er eine anspruchsvolle professionelle Ausbildung erhielt.

Ausbildung bei Moritz Ganz und Carl Schuberth

Seinen ersten bedeutenden Cellounterricht erhielt Julius Steffens bei Moritz Ganz in Berlin. Ganz war Cellist, Komponist und Erster Cellist der Königlichen Kapelle. Seit 1836 trug er den Titel eines königlichen Konzertmeisters und bildete mehrere Musiker aus, die später selbst professionelle Karrieren verfolgten. Julius Steffens wird ausdrücklich zu seinen Schülern gezählt.

Anschließend setzte Steffens seine Ausbildung bei Carl Schuberth in Sankt Petersburg fort. Schuberth war ein deutscher Cellist, Dirigent und Komponist, der seit den 1830er-Jahren in der russischen Hauptstadt arbeitete. Dort übernahm er Aufgaben an Institutionen der kaiserlichen Musik- und Theaterausbildung.

Die Ausbildung bei Ganz und Schuberth verband zwei wichtige musikalische Zentren des 19. Jahrhunderts: Berlin und Sankt Petersburg. Steffens entwickelte sich in diesem Umfeld zu einem Cellisten, der nicht nur technisch anspruchsvolle Sololiteratur spielen, sondern auch im professionellen Orchesterbetrieb bestehen konnte.

Mitglied der kaiserlichen Hofkapelle in Sankt Petersburg

In Sankt Petersburg wurde Julius Steffens Mitglied der kaiserlichen Hofkapelle. In späteren Konzertankündigungen erschien er häufig als Musiker „aus St. Petersburg“. Gelegentlich wurde er als russischer Solo-Violoncellist angekündigt, obwohl er aus Pommern stammte.

Die Verbindung zur Hofkapelle verlieh ihm berufliches Ansehen. Musiker solcher Ensembles mussten ein hohes technisches Niveau besitzen und wurden bei Konzertreisen häufig mit ihrem höfischen Titel vorgestellt. Noch in seiner Wiesbadener Sterbeurkunde wurde Steffens als „Kaiserlich russischer Kammermusiker“ bezeichnet.

Konzertreisen durch Europa

Die am besten dokumentierte Phase seiner Karriere reicht von 1861 bis 1868. In diesen Jahren trat Julius Steffens als Solist in zahlreichen europäischen Städten auf.

Zu den belegten Konzertorten gehörten:

  • Berlin, Leipzig, Hamburg und Hannover
  • Frankfurt am Main, Mainz, Mannheim und Darmstadt
  • Wien, München und Dresden
  • Amsterdam, Brüssel und Paris
  • London und Genf
  • Bonn, Nürnberg, Fürth und Chemnitz

Diese Reisetätigkeit zeigt, dass Steffens kein ausschließlich an einem Hof beschäftigter Orchestermusiker war. Er trat als reisender Virtuose auf und präsentierte das Violoncello als Soloinstrument.

Zusammenarbeit mit Carlotta Patti und Henri Vieuxtemps

Ab 1864 war Steffens häufig an den sogenannten Patti- oder Ullman-Konzerten beteiligt. Im Mittelpunkt dieser Veranstaltungen stand die italienische Sängerin Carlotta Patti. Organisiert wurden sie von dem international tätigen Impresario Bernard Ullman.

Neben Patti gehörten der belgische Geiger Henri Vieuxtemps und der Pianist Alfred Jaëll zu Steffens’ wichtigsten musikalischen Partnern. Die Programme waren als Virtuosenkonzerte aufgebaut: Mehrere bekannte Solisten präsentierten innerhalb einer Veranstaltung ihre technischen und musikalischen Fähigkeiten.

Ein erhaltenes Konzertprogramm aus dieser Zeit zeigt, dass Pattis Auftritte gemeinsam mit weiteren Instrumentalsolisten beworben wurden. Solche Konzertreisen verbanden Gesang, Klavier, Violine und Violoncello und ermöglichten es den Beteiligten, ein größeres Publikum in verschiedenen Ländern zu erreichen.

Steffens übernahm in dieser Konzertreihe den Platz des dänischen Cellisten Christian Laurentz Kellermann, der 1864 nach einem Auftritt in Mainz einen Schlaganfall erlitten hatte.

Wie spielte Julius Steffens?

Zeitgenössische Kritiken beschrieben Steffens als eleganten Musiker mit sauberer Intonation, klarem Ton und sicherer Bogentechnik. Sein Spiel wurde besonders mit feinen Klangfarben, lyrischem Ausdruck und virtuosen Verzierungen verbunden.

Damit entsprach er einem Cellistenideal der romantischen Konzertkultur. Das Instrument sollte nicht nur kräftig und orchestral klingen, sondern auch die Beweglichkeit und Ausdruckskraft der menschlichen Stimme nachahmen. Steffens scheint vor allem in zarten, melodischen und technisch verzierten Passagen überzeugt zu haben.

Sein Instrument dürfte ebenfalls zu seinem Klang beigetragen haben. Drei Jahre nach seinem Tod wurde ein italienisches Violoncello aus seinem Besitz zum Verkauf angeboten. In der Anzeige wurde es als echtes Instrument aus der Amati-Tradition bezeichnet und mit einem Preis von 6.000 Mark angeboten. Ob die damalige Zuschreibung einer modernen Prüfung standhalten würde, ist nicht belegt.

Kompositionen von Julius Steffens

Julius Steffens schrieb vor allem Musik für sein eigenes Instrument. Sein erhaltenes beziehungsweise dokumentiertes Werk ist überschaubar.

Zweites Cellokonzert op. 9

Steffens soll zwei Konzerte für Violoncello und Orchester komponiert haben. Sicher nachweisbar ist vor allem das zweite Cellokonzert op. 9. Es erschien um 1865 beim Bonner Musikverlag Simrock und wurde 1866 in Hamburg aufgeführt.

Das Werk gehört zur romantischen Tradition des virtuosen Cellokonzerts. Solche Kompositionen gaben dem Solisten Gelegenheit, gesangliche Melodien, schnelle Läufe, Doppelgriffe und verschiedene Klangregister des Instruments zu präsentieren.

Romanze für Violoncello und Klavier

Eine weitere gedruckte Komposition war eine Romanze für Violoncello und Klavier, die um 1864 in Frankfurt am Main erschien. Die Romanze war eine typische Form der romantischen Salon- und Konzertmusik. Sie stellte den melodischen Ausdruck in den Vordergrund und eignete sich sowohl für öffentliche Konzerte als auch für das private Musizieren.

Drei Charakterstücke op. 10

Zu Steffens’ späten Veröffentlichungen gehören die Drei Charakterstücke für Violoncello und Klavier op. 10. Sie erschienen 1881 in Berlin und tragen die Titel:

  1. Frühlingsglück
  2. Unerwartet
  3. Rheinfahrt

Die Titel weisen auf musikalische Miniaturen mit jeweils eigener Stimmung oder Szene hin. Charakterstücke waren im 19. Jahrhundert besonders beliebt, weil sie eine konkrete Atmosphäre vermitteln konnten, ohne eine ausführliche Handlung zu benötigen.

Weitere Stücke sind nur aus historischen Konzertprogrammen bekannt. Dazu zählen ein Notturno, ein Konzertstück und eine Polonaise für Violoncello und Klavier. Diese Werke wurden offenbar nicht gedruckt und sind nicht überliefert.

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Krankheit und Rückzug von der Bühne

Im Winter 1867/68 unterbrach Julius Steffens seine Konzerttätigkeit aus gesundheitlichen Gründen. Zur Erholung hielt er sich zeitweise in Italien und Nizza auf. Danach kehrte er noch einmal auf die Konzertbühne zurück, musste das Cellospielen wegen seiner Erkrankung jedoch endgültig aufgeben.

Um 1870 ließ er sich gemeinsam mit seiner Schwester Emilie in Wiesbaden nieder. Dort trat er nicht mehr öffentlich als Solist auf. In den Wiesbadener Adressbüchern wurde er als Musikdirektor oder als Kammermusiker außer Dienst geführt.

Julius Steffens starb am 4. März 1882 in Wiesbaden. Er wurde 50 Jahre alt.

Wichtige Stationen im Leben von Julius Steffens

JahrEreignis
1831Geburt am 12. Juli in Stargard, Pommern
Ohne genaues DatumCellounterricht bei Moritz Ganz in Berlin
DanachAusbildung bei Carl Schuberth in Sankt Petersburg
Vor 1861Mitglied der kaiserlichen Hofkapelle
1861–1868Konzertreisen durch zahlreiche europäische Städte
Ab 1864Teilnahme an den Patti- beziehungsweise Ullman-Konzerten
Um 1865Veröffentlichung des zweiten Cellokonzerts op. 9
1867/68Unterbrechung der Karriere aus gesundheitlichen Gründen
Um 1870Niederlassung in Wiesbaden
1881Veröffentlichung der Drei Charakterstücke op. 10
1882Tod am 4. März in Wiesbaden

Die zeitliche Einordnung folgt den dokumentierten Konzertankündigungen, Veröffentlichungen und Personenstandsunterlagen.

Warum ist Julius Steffens heute kaum bekannt?

Steffens war zu seiner aktiven Zeit international unterwegs, doch seine Solokarriere dauerte nur wenige Jahre. Die Erkrankung nahm ihm die Möglichkeit, dauerhaft aufzutreten oder als Cellist einer späteren Generation präsent zu bleiben.

Hinzu kommt, dass nur ein kleiner Teil seiner Kompositionen gedruckt wurde. Mehrere aufgeführte Stücke gingen verloren, während von seinem ersten Cellokonzert bislang keine gesicherte Ausgabe bekannt ist. Wahrscheinlich trugen die kurze Karriere, das schmale erhaltene Werk und das Fehlen einer dauerhaften Aufführungstradition gemeinsam dazu bei, dass sein Name aus dem allgemeinen Konzertrepertoire verschwand.

Seine Biografie bleibt dennoch aufschlussreich. Sie zeigt, wie international das Musikleben des 19. Jahrhunderts bereits organisiert war. Ein in Pommern geborener Musiker konnte in Berlin studieren, in Sankt Petersburg eine Hofstelle erhalten und anschließend mit Künstlern aus mehreren Ländern durch Europa reisen.

Häufig gestellte Fragen

Wer war Julius Steffens?

Julius Steffens war ein deutscher Cellist und Komponist der Romantik. Sein vollständiger Name lautete Carl Julius Steffens. Er gehörte der kaiserlichen Hofkapelle in Sankt Petersburg an und trat in den 1860er-Jahren als Solist in vielen europäischen Städten auf.

Wann wurde Julius Steffens geboren?

Er wurde am 12. Juli 1831 in Stargard in Pommern geboren. Die Stadt liegt heute in Polen.

Welches Instrument spielte Julius Steffens?

Sein Hauptinstrument war das Violoncello. Einzelne ältere oder automatisch erzeugte Verzeichnisse bezeichnen ihn fälschlich als Violinisten. Seine Ausbildung, seine Hofstellung, seine Konzertprogramme und seine Kompositionen weisen ihn eindeutig als Cellisten aus.

Welche Werke komponierte Julius Steffens?

Zu seinen belegten Kompositionen gehören zwei Cellokonzerte, eine Romanze für Violoncello und Klavier sowie die Drei Charakterstücke op. 10. Von den beiden Konzerten ist vor allem das zweite Cellokonzert op. 9 dokumentiert.

Mit welchen bekannten Musikern trat er auf?

Zu seinen wichtigsten Partnern gehörten die Sängerin Carlotta Patti, der Geiger Henri Vieuxtemps und der Pianist Alfred Jaëll. Mit ihnen wirkte er an internationalen Virtuosenkonzerten mit.

Wann und wo starb Julius Steffens?

Julius Steffens starb am 4. März 1882 in Wiesbaden. Er hatte sich dort nach dem krankheitsbedingten Ende seiner Konzertkarriere niedergelassen.

Fazit

Julius Steffens war ein hervorragend ausgebildeter Cellist, dessen Karriere ihn von Pommern über Berlin und Sankt Petersburg auf zahlreiche europäische Konzertbühnen führte. Seine Zusammenarbeit mit Carlotta Patti, Henri Vieuxtemps und Alfred Jaëll belegt seine Stellung im internationalen Musikbetrieb der 1860er-Jahre. Obwohl nur wenige seiner Kompositionen erhalten oder eindeutig nachgewiesen sind, gehört Steffens zur Geschichte des romantischen Violoncellospiels. Sein früher Rückzug von der Bühne erklärt, weshalb ein einst europaweit auftretender Musiker später weitgehend in Vergessenheit geriet.

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